Cannabis und Epilepsie: Wie Cannabidiol (CBD) neue Wege eröffnet
Cannabidiol gilt als Hoffnungsträger in der Epilepsiebehandlung – auch in Deutschland.
Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, bei der es zu wiederholten, unkontrollierten elektrischen Entladungen im Gehirn kommt – mit teilweise schweren Auswirkungen auf Alltag, Entwicklung und Lebensqualität. Besonders bei Kindern mit therapieresistenten Epilepsieformen stoßen konventionelle Medikamente oft an ihre Grenzen. In den letzten Jahren hat Cannabidiol (CBD) neue Hoffnung gebracht – wissenschaftlich fundiert und regulatorisch zunehmend anerkannt.
Was ist CBD – und wie unterscheidet es sich von THC?
CBD (Cannabidiol) ist ein nicht-psychoaktives Cannabinoid der Cannabispflanze. Anders als THC (Tetrahydrocannabinol) verursacht es keinen Rausch und ist deshalb auch bei Kindern und Jugendlichen einsetzbar.
CBD wirkt unter anderem:
- krampflösend (antikonvulsiv)
- entzündungshemmend
- neuroprotektiv
Diese Effekte stehen im Zusammenhang mit einer Modulation von Ionenkanälen und Rezeptoren im zentralen Nervensystem, etwa GABA- und TRPV-Kanälen.
Studienlage: Was sagt die Wissenschaft?
Die Evidenz für CBD bei Epilepsie ist außergewöhnlich stark – verglichen mit vielen anderen Anwendungsgebieten von Cannabis:
- Randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) belegen signifikante Reduktionen der Anfallshäufigkeit bei:
- Dravet-Syndrom
- Lennox-Gastaut-Syndrom
- Tuberöser Sklerose-Komplex
- In einer Studie im New England Journal of Medicine (2017) verringerte CBD die mediane monatliche Anfallshäufigkeit beim Dravet-Syndrom um 39 % gegenüber Placebo.
- Langzeitdaten zeigen zudem anhaltende Wirksamkeit bei stabiler Verträglichkeit.
Diese Daten führten zur Zulassung eines reinen CBD-Arzneimittels.
Zulassungslage in Deutschland
In Deutschland ist seit 2019 das CBD-Medikament Epidyolex® zugelassen:
- Indikationen: Dravet- und Lennox-Gastaut-Syndrom (ab 2 Jahren), seit 2021 auch bei Tuberöser Sklerose
- Anwendung: als Add-on-Therapie zu Antiepileptika wie Clobazam
- Verordnung: durch Fachärzt:innen für Neurologie oder Pädiatrie, Kostenübernahme durch gesetzliche Krankenkassen
Nicht verschreibungspflichtige CBD-Öle aus dem freien Handel sind für diese Indikationen nicht zugelassen und unterliegen keiner arzneimittelrechtlichen Kontrolle.
Erfahrungen betroffener Familien
Zahlreiche Eltern berichten von tiefgreifenden Veränderungen:
- Reduktion schwerer Anfälle
- verbesserte Wachphasen und kognitive Entwicklung
- weniger Nebenwirkungen im Vergleich zu klassischen Antiepileptika
„Unser Sohn hatte hunderte Anfälle pro Woche. Mit CBD wurden es nur noch einzelne – das hat uns ein Stück Alltag zurückgegeben.“
— Mutter eines Kindes mit Dravet-Syndrom
Gleichzeitig betonen viele die Bedeutung ärztlicher Begleitung und realistischer Erwartungen: CBD wirkt nicht bei allen, und die Dosierung ist entscheidend.
Risiken und Nebenwirkungen
CBD gilt als gut verträglich, dennoch können auftreten:
- Müdigkeit
- Durchfall
- Wechselwirkungen mit Leberenzymen und anderen Medikamenten (z. B. Clobazam)
- selten: Leberschädigungen bei hohen Dosen
Deshalb sind regelmäßige Blutkontrollen und eine ärztlich überwachte Titration erforderlich.
Fazit
Cannabidiol hat sich als wirksame und sichere Behandlungsoption für bestimmte schwer behandelbare Epilepsieformen erwiesen – besonders im Kindesalter. Die Studienlage ist robust, die Zulassung klar geregelt. Für viele betroffene Familien eröffnet CBD neue Perspektiven, wenn klassische Medikamente nicht mehr ausreichen. Entscheidend bleibt ein individualisierter, fachärztlich begleiteter Einsatz im Rahmen der evidenzbasierten Therapie.